W-BF-6 Hasret Karacuban

Liebe Freundinnen und Freunde,

hiermit bewerbe ich mich als Ersatzdelegierte für den  Bundesfrauenrat.

Die Grüne Frauenpolitik ist eine Erfolgsgeschichte. Die konsequente Mindestquotierung und das Grüne Frauenstatut allein haben schon sehr viel zu einer anderen, einer geschlechtergerechteren politischen Kultur innerhalb unserer Partei sowie auch in den Parlamenten, in denen wir immer noch den Frauenanteil anheben, beigetragen. Wir Grüne haben aber auch zentrale Bausteine zu einer rechtlichen Gleichstellung von Frauen und Männern wie z.B. das Bundesgleichberechtigungsgesetz, das Landesgleichstellungsgesetz NRW oder das Gewaltschutzgesetz vorangetrieben.

Eine tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern, wie sie im Grundgesetz fest verankert ist, haben wir aber immer noch nicht erreicht.

Das zeigte sich in der Sexismus-Debatte in diesem Frühjahr, wo kaum jemand die Dimension des Machtgefälles zwischen den Geschlechtern zu erkennen vermochte. Es zeigt sich auch  immer noch in der Ungleichverteilung von Ressourcen. Frauen verdienen immer noch durchschnittlich 22% weniger als Männer, sie arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Berufen, übernehmen oft unentgeltlich einen großen Teil der Sorgearbeit und sind in größerem Maße von Altersarmut  betroffen.  Deshalb ist es richtig und wichtig, dass wir in unserem Bundestagswahlprogramm ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, ein Entgeltgleichheitsgesetz und die Abschmelzung des Ehegattensplittings fordern.

Auch in der Politik kann noch nicht von einer wirklichen Gleichstellung die Rede sein, wenn wir uns vor Augen führen, dass die Repräsentanz von Frauen im Bundestag und auch in den Landesparlamenten seit einigen Jahren bei ca. 30 % stagniert. So kann Geschlechterdemokratie nicht funktionieren. Auch andere Parteien sind gefordert Frauen eine paritätische Teilhabe zu ermöglichen. Deshalb wollen wir als LAG Frauenpolitik nach dem Vorbild anderer europäischer Staaten ein Paritätsgesetz für NRW.

Für Frauen, die marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen  angehören bzw. diesen zugeordnet werden – wie etwa Frauen mit Migrationsgeschichte und Musliminnen – ist die gesellschaftliche Teilhabe ein zentrales Thema. Ihre vielfältigen Potenziale  werden in öffentlichen Diskursen nach wie vor ausgeblendet und von defizitorientierten stereotypen Darstellungen überlagert. Wir wissen, dass die Lebensentwürfe von Frauen deutlich vielschichtiger sind, als die Bilder in der Öffentlichkeit annehmen lassen. Sie wollen sich weiterbilden, arbeiten und aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft partizipieren.

Eine vielfältige und geschlechtergerechte Demokratie muss allen Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe an allen gesellschaftlichen Ressourcen – sei es Bildung, Arbeit oder Politik – ermöglichen.

Deshalb würde ich mich sehr über eure Unterstützung als Ersatzdelegierte für den Bundefrauenrat freuen.

Herzliche Grüße
Hasret Karacuban

Biografie

Biografische Daten: 33 Jahre, KV Köln, Sprecherin der LAG Frauenpolitik, Sprecherin des AK Grüne MuslimInnen NRW Berufliches/Studium: Soziologin; Mitarbeiterin von Verena Schäffer MdL

PDF

Download (pdf)